Tanja
Damals wusste ich nicht, dass das etwas Besonderes war. Für mich war es selbstverständlich, Stimmungen wahrzunehmen, Spannungen zu spüren und zu bemerken, wenn etwas nicht zusammenpasste. Erst viel später wurde mir bewusst, dass nicht alle Menschen ihre Umwelt auf diese Weise wahrnehmen.
Rückblickend zieht sich genau dieser Blick durch mein ganzes Berufsleben.
Begonnen hat alles in der Hotellerie. Jeden Tag neue Menschen, neue Erwartungen und neue Geschichten. Ich lernte zuzuhören, ohne jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, und hinzusehen, ohne vorschnell zu urteilen. Mich interessierte nie nur, was Menschen sagten oder taten. Mich interessierte immer, was sie dazu bewegte.
Später führte mich mein Weg in die internationale Pharmaindustrie. Ich durfte Verantwortung für Europa, den Nahen Osten und Afrika übernehmen. Jede Begegnung, jede Zusammenarbeit und jede neue Umgebung hat meinen Blick erweitert. Je mehr Unterschiede ich kennenlernte, desto stärker interessierte mich das, was dahinterlag. Nicht das Offensichtliche, sondern die Muster, die sich immer wieder zeigten, unabhängig von Sprache, Herkunft oder Rahmenbedingungen.
Damals wusste ich noch nicht, dass genau diese Erfahrungen meine spätere Arbeit prägen würden.
Mit der Zeit entstand der Wunsch, selbst unternehmerische Verantwortung zu übernehmen. Aus einer Idee wurden zwei Unternehmen. Mit einem Team von vier Mitarbeitenden wuchs eines davon über die Jahre auf rund 2,5 Mio. CHF Jahresumsatz. Viel wichtiger als dieses Wachstum war für mich jedoch die Erfahrung, wie schnell aus kleinen Missverständnissen grosse Herausforderungen entstehen können und wie viel sich verändert, wenn Menschen einander wirklich verstehen.
Ich habe erlebt, wie engagierte Mitarbeitende an unklaren Erwartungen scheiterten. Wie Konflikte dort sichtbar wurden, obwohl ihre Ursache längst vorher entstanden war. Und wie Entscheidungen oft nicht daran scheiterten, dass Menschen zu wenig wussten, sondern daran, dass sie dieselbe Situation unterschiedlich wahrnahmen.
Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf Unternehmen grundlegend verändert.
Heute bin ich überzeugt, dass die meisten Probleme nicht dort entstehen, wo sie sichtbar werden. Sie beginnen viel früher. In Wahrnehmungen, Annahmen, Rollen und unausgesprochenen Erwartungen.
Deshalb suche ich nicht nach Schuldigen. Ich suche nach Zusammenhängen. Nach Mustern. Nach dem Punkt, an dem ein Unternehmen beginnt, gegen sich selbst zu arbeiten.
Ich glaube nicht, dass Unternehmen an fehlender Kompetenz scheitern. Die meisten Menschen wollen gute Arbeit leisten. Und trotzdem entstehen Reibung, Missverständnisse und Konflikte. Nicht, weil jemand etwas falsch machen will, sondern weil Menschen unterschiedlich wahrnehmen, unterschiedlich interpretieren und unterschiedlich handeln.
Genau dort beginnt meine Arbeit. Ich beobachte, höre zu und stelle Fragen. Nicht, um zu bewerten, sondern um sichtbar zu machen, was bereits da ist.
Denn wenn wir verstehen, warum etwas entstanden ist und was wir stattdessen wollen, verändert sich oft mehr als nur das Problem. Es verändert sich die Zusammenarbeit.
Denn jedes Unternehmen erzählt eine Geschichte. Die entscheidende Frage ist, ob wir bereit sind, wirklich hinzuhören.
Vom Werkstattmeister bis zum Geschäftsführer. Niemand steht über jemandem.
Sagen, was Sache ist. Klar, direkt und respektvoll, ohne erhobenen Zeigefinger.
Was ich erzähle, habe ich erlebt. Was ich beschreibe, habe ich beobachtet.
Keine Theorie ohne Praxis. Begleitung, bis es wirklich läuft.
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